
Viele Menschen kommen das erste Mal mit einem Steuerberater in Kontakt, wenn sich etwas verändert: eine Gründung, die ersten Mitarbeitenden, eine geerbte Immobilie oder einfach der Wunsch, die Steuererklärung nicht mehr selbst zu machen. Spätestens dann stellt sich die Frage, was ein Steuerberater eigentlich genau tut – und was davon für die eigene Situation sinnvoll ist.
Die Aufgaben eines Steuerberaters im Überblick
Das Steuerberatungsgesetz beschreibt die Aufgabe kurz: Steuerberater beraten ihre Mandanten in Steuersachen, vertreten sie und helfen ihnen dabei, ihre Steuerangelegenheiten zu bearbeiten und ihre steuerlichen Pflichten zu erfüllen. Dazu gehört auch die Hilfe bei der Buchführung und bei der Aufstellung von Abschlüssen, die für die Besteuerung von Bedeutung sind.
In der Praxis lassen sich die Aufgaben in vier Bereiche einteilen:
- Erklären und erstellen: Steuererklärungen und steuerliche Meldungen vorbereiten und an das Finanzamt übermitteln.
- Laufend begleiten: Finanzbuchhaltung und Lohnabrechnung übernehmen oder unterstützen, Abschlüsse erstellen.
- Beraten und planen: vor Entscheidungen einschätzen, welche steuerlichen Folgen sie haben – etwa bei einer Gründung, einer Investition oder einer Übertragung von Vermögen.
- Vertreten: gegenüber dem Finanzamt auftreten, Bescheide prüfen, Rückfragen beantworten und bei Prüfungen begleiten.
Steuerberatung ist in Deutschland ein geschützter Bereich. Geschäftsmäßig Hilfe in Steuersachen leisten dürfen nur dazu befugte Personen und Gesellschaften – neben Steuerberatern zum Beispiel auch Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Steuerberater üben ihren Beruf unabhängig, eigenverantwortlich und verschwiegen aus.
Was ein Steuerberater für Unternehmen übernimmt
Für Unternehmen ist der Steuerberater oft ein laufender Partner über das ganze Jahr. Typische Aufgaben sind:
- Finanzbuchhaltung: Belege werden erfasst und verbucht, daraus entstehen regelmäßige Auswertungen über die wirtschaftliche Lage. Mehr dazu auf unserer Seite Finanzbuchhaltung.
- Lohn- und Gehaltsabrechnung: monatliche Abrechnungen und die dazugehörigen Meldungen – siehe Lohnbuchhaltung.
- Jahresabschluss und betriebliche Steuererklärungen: Am Ende des Geschäftsjahres fasst der Jahresabschluss die Zahlen zusammen und bildet die Grundlage für die Steuererklärungen des Unternehmens.
- Beratung bei Entscheidungen: zum Beispiel bei der Wahl der Rechtsform, bei Investitionen, bei Umstrukturierungen oder bei der Planung einer Unternehmensnachfolge.
Praxisbeispiel: Eine kleine GmbH mit fünf Mitarbeitenden lädt ihre Belege laufend digital hoch. Die Kanzlei übernimmt Buchhaltung und Lohnabrechnung, stellt am Jahresende den Abschluss auf und bespricht die Ergebnisse mit der Geschäftsführung. Plant das Unternehmen eine größere Anschaffung, wird vorab gemeinsam überlegt, wie sie sich steuerlich auswirkt.
Was ein Steuerberater für Selbstständige und Gründer übernimmt
Selbstständige und Freiberufler brauchen oft weniger laufende Betreuung als ein größeres Unternehmen – aber gerade am Anfang viel Orientierung:
- Start in die Selbstständigkeit: Unterstützung bei der Anmeldung beim Finanzamt und bei der Frage, welche steuerlichen Pflichten künftig anfallen. Mehr dazu unter Unternehmensgründung.
- Gewinnermittlung und Steuererklärungen: Aus Einnahmen und Ausgaben wird der Gewinn ermittelt, auf dieser Grundlage entstehen die Steuererklärungen.
- Umsatzsteuer: laufende Anmeldungen und die Frage, wie Rechnungen richtig gestellt werden.
- Überblick behalten: Wer seine Zahlen regelmäßig sieht, kann besser einschätzen, welche Steuerzahlungen auf ihn zukommen.
Praxisbeispiel: Eine Grafikdesignerin macht sich selbstständig. Im ersten Gespräch klärt sie mit der Kanzlei, welche Angaben das Finanzamt von ihr braucht, wie sie Belege ablegt und welche Erklärungen künftig anstehen. Danach übernimmt die Kanzlei die jährlichen Erklärungen, die Designerin konzentriert sich auf ihre Aufträge.
Was ein Steuerberater für Privatpersonen übernimmt
Auch ohne eigenes Unternehmen kann ein Steuerberater sinnvoll sein – vor allem, wenn die Situation mehr umfasst als ein normales Gehalt:
- Einkommensteuererklärung: Erstellung der Erklärung und Prüfung des Steuerbescheids. Mehr dazu unter Steuererklärung.
- Vermietete Immobilien: Einnahmen und Kosten aus der Vermietung erfassen und richtig zuordnen – siehe Steuerberater für Immobilien.
- Besondere Lebenssituationen: etwa eine Erbschaft, eine Schenkung, der Verkauf einer Immobilie oder Einkünfte aus dem Ausland.
Praxisbeispiel: Ein Angestellter hat eine Eigentumswohnung geerbt und vermietet sie. Die Kanzlei erstellt künftig seine Einkommensteuererklärung einschließlich der Vermietungseinkünfte und bespricht mit ihm vorab, was bei einer geplanten Renovierung zu beachten ist.
Was beim Mandanten bleibt
Ein Steuerberater kann viel abnehmen, aber nicht alles. Die Kanzlei arbeitet mit den Unterlagen und Informationen, die Sie ihr geben. Bei Ihnen bleiben deshalb vor allem:
- Belege und Unterlagen vollständig und rechtzeitig bereitzustellen,
- Veränderungen mitzuteilen, zum Beispiel einen Umzug, neue Einkunftsquellen oder geplante Investitionen,
- Rückfragen der Kanzlei zu beantworten und Erklärungen vor der Abgabe durchzusehen,
- Post vom Finanzamt weiterzuleiten, sofern sie nicht direkt an die Kanzlei geht.
Je klarer diese Arbeitsteilung von Anfang an abgesprochen ist, desto reibungsloser läuft die Zusammenarbeit.
Wann sich ein Steuerberater lohnt
Eine feste Regel gibt es nicht. Häufig lohnt sich die Zusammenarbeit, wenn
- Sie ein Unternehmen gründen oder sich selbstständig machen,
- Sie Mitarbeitende beschäftigen,
- Ihnen für Buchhaltung und Steuern die Zeit fehlt oder Sie sich unsicher fühlen,
- größere Entscheidungen anstehen, etwa ein Immobilienkauf, eine Nachfolge oder eine Umstrukturierung,
- Ihre private Steuersituation mehrere Einkunftsarten oder Besonderheiten umfasst.
Wie Steuerberater abrechnen, erklärt unsere Seite Honorar. Worauf Sie bei der Auswahl einer Kanzlei achten sollten, lesen Sie im Beitrag Steuerberater finden.
So läuft die Zusammenarbeit ab
- Kennenlernen: Im ersten Gespräch schildern Sie Ihre Situation, die Kanzlei erklärt ihre Arbeitsweise. Danach ist klar, welche Leistungen sinnvoll sind.
- Auftrag und Vollmacht: Die Zusammenarbeit wird in einem Mandatsvertrag festgehalten. Mit einer Vollmacht kann die Kanzlei Sie gegenüber dem Finanzamt vertreten.
- Unterlagen und Zugänge: Sie stellen die vereinbarten Unterlagen bereit – je nach Kanzlei auf Papier oder digital.
- Laufende Arbeit: Die Kanzlei erstellt Buchhaltung, Abrechnungen und Erklärungen und meldet sich bei Rückfragen.
- Besprechung der Ergebnisse: Auswertungen, Erklärungen und Bescheide werden mit Ihnen besprochen, bei Bedarf auch die nächsten Schritte.
Bei ALKUL kann die Zusammenarbeit persönlich in Berlin-Mitte oder digital erfolgen; Belege lassen sich zum Beispiel über DATEV Unternehmen online austauschen. Wie wir digital arbeiten, zeigt die Seite Digitale Kanzlei. Wer bereits einen Steuerberater hat und über einen Wechsel nachdenkt, findet die wichtigsten Schritte im Beitrag Steuerberater wechseln.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einem Steuerberater und einem Buchhalter?+
Ein Buchhalter erfasst und verbucht Geschäftsvorfälle. Ein Steuerberater darf darüber hinaus in Steuersachen beraten, Steuererklärungen erstellen und Sie gegenüber dem Finanzamt vertreten. Geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen ist nur befugten Berufsgruppen erlaubt.
Brauche ich als Privatperson einen Steuerberater?+
Nicht unbedingt. Bei einem einfachen Arbeitsverhältnis erstellen viele ihre Erklärung selbst. Sinnvoll kann ein Steuerberater zum Beispiel bei Vermietung, einer Erbschaft, Einkünften aus dem Ausland oder mehreren Einkunftsquellen sein.
Kann ein Steuerberater auch nur einzelne Aufgaben übernehmen?+
Ja. Viele Mandanten beauftragen nur bestimmte Leistungen, etwa die jährliche Steuererklärung oder die Lohnabrechnung. Welche Aufgaben die Kanzlei übernimmt, wird im Mandatsvertrag festgelegt.
Funktioniert die Zusammenarbeit auch komplett digital?+
Bei vielen Kanzleien ja. Unterlagen werden dann über ein Portal oder eine Buchhaltungssoftware ausgetauscht, Gespräche finden per Video oder Telefon statt. Bei ALKUL ist beides möglich – digital oder persönlich in Berlin-Mitte.
Was kostet ein Steuerberater?+
Das hängt vom Umfang der Leistungen ab. Die Vergütung richtet sich nach der Steuerberatervergütungsverordnung. Wie ALKUL abrechnet, steht auf unserer Seite Honorar.
Wie finde ich den passenden Steuerberater?+
Hilfreich sind ein klares Bild vom eigenen Bedarf, ein Blick auf die Schwerpunkte der Kanzlei und ein Kennenlerngespräch. Eine ausführliche Anleitung finden Sie im Beitrag Steuerberater finden.
Sie möchten wissen, wie ALKUL Sie unterstützen kann?
Schildern Sie uns Ihre Situation – wir besprechen mit Ihnen, welche Aufgaben wir übernehmen können. Persönlich in Berlin-Mitte oder digital.
